Ein junger US-Amerikaner nimmt sich ein zeitgenössisches Werk seines an Klassik nicht eben reichen Landes vor: Das ist nicht nur Patriotismus der angenehmen Art, sondern auch vielversprechend. Handelt es sich doch um John Adams‘ Violinkonzert, eines der spannendsten wie virtuosesten Werke des Genres der letzten Jahrzehnte. Und Chad Hoopes, gerade mal 19 Jahre jung, meistert die rhythmischen Stolpersteine und Intonationsfallen mit Bravour und weiß obendrein die Melodien auszukosten. Indes immer wieder auch allzu schön auszukosten, so dass darüber die Dramaturgie des Werkes verloren geht. Gefühligkeiten, die dann bei Mendelssohn bisweilen arg geschmäcklerisch wirken – und da Kristjan Järvi die MDR-Sinfoniker hier nicht wirklich zu motivieren vermag, es passagenweise an Brillanz und Stringenz mangelt, reicht es am Ende nur für einen ordentlichen Klassiker. Künstlerische Individualität klingt anders.
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CD-Rezension Chad Hoopes
Auf der Suche nach Individualität
Chad Hoopes meistert rhythmische Stolpersteine und Intonationsfallen – Individualität klingt allerdings anders
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„Es gibt eine europäische Kultur des Musizierens“
Seit der Spielzeit 2020/2021 ist der Schweizer Dirigent Philippe Jordan Musikdirektor der Wiener Staatsoper.
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