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Buchrezension – Michael Haas: Die Musik der Fremde

Auswahl von Lebensläufen und Exilerfahrungen

Autor Michael Haas erzählt von inneren Konflikten, die sich aus dem Verlust von Heimat und Identität ergeben.

vonSabine Näher,

Publikationen über Künstler, die wegen der „Kulturpolitik“ der Nationalsozialisten ins Exil gingen, gibt es etliche. Das neue Buch von Michael Haas „Die Musik der Fremde“ schränkt einerseits den Künstlerkreis auf die Komponisten ein, zum anderen beleuchtet es aber nicht nur die Wege ins geografische, äußere Exil, meist erst in die umliegenden europäischen Länder, später in die USA, sondern auch die derjenigen Musiker, die in Deutschland blieben und sich entweder in ihr inneres Exil zurückzogen oder den Weg des Widerstands wählten.

Mitgründer des Wiener Exilarte Zentrums für verfolgte Musik: Michael Haas
Mitgründer des Wiener Exilarte Zentrums für verfolgte Musik: Michael Haas

Ein Gefühl von Heimat in der Musik bewahren

So bietet der Autor eine spannende, inhaltlich schlüssige Erweiterung des Begriffs, die es ihm ermöglicht, „das NS-Wort entartet“ zu vermeiden. Was Haas in neun Kapiteln auf fast 420 Seiten detailliert darlegt, kann hier nicht im Einzelnen gewürdigt, sondern nur kurz angerissen werden. So schaut er auf die ästhetischen und stilistischen Veränderungen, zu denen Komponisten im Exil gezwungen waren, weil man in den USA, Kanada oder Neuseeland „ganz andere Vorstellungen von neuer Musik hatte“ bzw. ihr Verharren im Musikstil der Zeit vor ihrer Flucht, um sich so quasi die Heimat in der Fremde zu bewahren. Dem Autor geht es um „die inneren Konflikte, die sich aus dem Verlust von Heimat und Identität ergeben“.

Michael Haas berichtet von Zweiter Wiener Schule in China

Da wegen ihrer großen Zahl unmöglich alle betroffenen Künstler erwähnt werden können, hat Haas eine subjektive Auswahl getroffen, um sowohl bekannte, etablierte Komponisten anzuführen wie auch vollständig vergessene. Sein Buch will „eine Auswahl von Lebensläufen und Exilerfahrungen bieten, aus denen sich weitere erschließen lassen“. So erzählt Haas über die bekannten Exilländer hinaus auch von Fluchtgeschichten nach Japan, Indien und Afrika oder berichtet von der „Zweiten Wiener Schule in China“. Ohne Frage eine wichtige Ergänzung zu vorliegenden Arbeiten!

Die Musik der Fremde – Komponisten im Exil
Michael Haas
Reclam, 420 Seiten
34 Euro

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