Die Beziehung zwischen Clara Schumann (1819–1896) und Johannes Brahms (1833–1897) ist von Legenden umrankt – bis hin zur Spekulation, Brahms könne der Vater von Claras jüngstem Sohn Felix sein, der 1854 zur Welt kam, als Robert Schumann wegen einer unheilbaren Nervenerkrankung bereits in einer geschlossenen Anstalt lebte. Unbestritten ist, dass der junge Komponist aus Hamburg vom Ehepaar Schumann 1853 mit offenen Armen empfangen wurde und sich zwischen allen dreien eine enge künstlerische wie freundschaftliche Beziehung entwickelte. Dass Brahms mehr für Clara empfand, wird überwiegend angenommen. Ob sie seine Liebe erwiderte, wird wohl im Ungewissen bleiben. In ihrer Erzählung „Adagio“ findet Maria Regina Kaiser eine fiktive Antwort.

Clara scheute sich, sollte sie eine Verbindung mit dem jüngeren Mann eingehen, vor weiteren Schwangerschaften und Kindern. Sie hatte bereits sieben und ein achtes früh verloren. Kaisers Geschichte beschränkt sich im Wesentlichen auf die Zeit von 1863 bis 1873, in der die verwitwete, von Geldsorgen getriebene Pianistin ein Haus in Baden-Baden besitzt, wenngleich selten bewohnt, weil sie die meiste Zeit auf Konzertreise ist. Brahms verbringt die Ferien in der Kurstadt und nimmt am Familienleben regen Anteil. Der Autorin gelingen eindringlich geschilderte Szenen, meist aus Claras, bisweilen auch aus Brahms’ Sicht, in die man gerne eintaucht. Doch es scheint fast, als seien es Textfragmente, die in einem größeren Roman hätten aufgehen können – oder sollen.
Adagio – Clara Schumann und Johannes Brahms in Baden-Baden
Maria Regina Kaiser
8 grad, 168 Seiten
24 Euro