Peter Krause

Artikel
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Geistvoll geerdet
Wer beglückt Iván Fischers fulminantem Budapest Festival Orchestra lauscht, wird nostalgisch: Denn hat sich hier in der geistvoll geerdeten Körperlichkeit des Klangs nicht ein musikalisches Ideal erhalten, das im Zeitalter blank polierter Oberflächen fast vergessen schien? Statt bloßer Brillanz erleben wir Tiefenschärfe, die an Furtwängler erinnert. Die singende Phrasierung und…
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Mitreißendes Melos
Sie sollte seine „letzte Alterssünde“ werden: La Petite Messe Solennelle wurde dann auch seine größte, gewichtigste und schönste. Rossini beweist in der mit listigem Understatement als „klein“ bezeichneten Messe seine Meisterschaft der leichten Hand. Sein überströmend mitreißendes Melos weist auf die Belcanto-Genialität des Italieners zurück, der nach eigenem Bekunden einst…
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Perfektes Beispiel
Pure tenorale Stimmbesitzer widerlegen mitunter die Tatsache, dass das Singen und das Denken gar zwingend zusammengehören. Ian Bostridge aber beweist, wie grundlegend diese Synthese ist: Er ist das perfekte lebende Beispiel eines Künstlers, dessen Intellekt dem Gesang seine tiefsten Dimensionen erschließt. Die an Fischer-Dieskau geschulte Textbehandlung, das Nachforschen einer jeden…
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„Ich möchte die Breite von Brittens Genie zeigen“
Tenor Ian Bostridge enthüllt die geheimen Verbindungen zwischen Britten und Wagner und erklärt, warum England kaum einen großen Komponisten hervorgebracht hat
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Bach’sche Barockoper
Der Mann hat eine Klasse für sich. Ian Bostridge als Evangelist ist ein kühner Chronist. Sein einzigartiges Tenor-Timbre hat gleißende Sinnlichkeit. Und sein Bericht von Jesu Leidensweg gewinnt, auch wenn er mitunter die Grenze zum Manierismus streift, maximale theatralische Intensität. Ein Ereignis. Die vorzügliche Textbehandlung verbindet Bostridge mit der superben…
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Apollinischer Dionysos
Wie soll man Wagner dirigieren? Mit dem Kopf oder mit dem Bauch? Mit dem klaren Sinn für das rechte Maß, transparent aufgefächert und mit flüssig flotten Tempi? Oder doch mit schwelgerischem Mischklang, sehnsuchtsvollen Ritardandi und einer gehörigen Prise Pathos? Jeffrey Tate hat einst den Jahrhundert-Ring von Chéreau musikalisch vorbereitet, in…
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Zu Recht vergessen
Werke von Busoni, Reger und Pfitzner gespielt von der Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Christian Thielemann, am Klavier ist Tzimon Barto zu hören
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Wie ein Naturlaut
Zeitlos nähern sich Amaryllis Quartett, das Ensemble Obligat Hamburg und Flötistin Imme-Jeanne Klett der transzendenten Musik Wolfgang-Andreas Schultz› an.
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Rodolfo mal 2
Unzählige Male hat der berühmteste Sänger unserer Zeit den berühmtesten Poeten der Operngeschichte gesungen, den Rodolfo in La Bohème. Natürlich gibt Plácido Domingo die Partie des jugendlichen Liebhabers im Herbst seiner Karriere längst nicht mehr, dafür wurde ihm jetzt die Rolle eines alternden Dichters auf den Leib geschrieben: Domingo ist der…
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Wagner-Belcanto
Dunkel, deutsch, deklamatorisch. So hat man Wagner einst gesungen – die Tenorhelden stemmten ihre Partien mit einer baritonal brustigen Präpotenz gerade so, als wären sie lieber Kraftsportler denn Opernsänger geworden. Nun kommt Klaus Florian Vogt in denselben Rollen schlankstimmig, frühlingsleicht und mozartisch daher. Silbrig zart, jungenhaft und keusch tönt sein…
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Subtiler Suchtfaktor
Es ist eben die maximal motivierte Mitteilsamkeit dieser famosen Streichertruppe, die Benjamin Britten sich für seine Musik erträumt haben muss. Das Irisierende und Imaginative, das farbig fein Changierende, ja die schillernde „Ambience“ seiner hier immer wieder an den Impressionismus gemahnenden Werke – all das bringt die Amsterdam Sinfonietta mit edler…
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Die Wagner-Werkstatt
Die Tür zur Giftküche steht einen Spalt weit offen, und wir lugen hinein, wie man die stärkste Musikdroge der Welt mischt: Wagners Wunderwerk. Christian Thielemann gibt in seinem Buch nicht jedes Geheimnis preis, aber er verrät mit echter Leidenschaft, profunder Kenntnis und enorm eloquentem Plauderton seine Rezepte, mit denen er…
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„Wie man ist, so spielt man“
Liza Ferschtman über den Charakter ihrer Stradivari, das geigerische Ideal des Singens und künstlerische Freiheit in Zeiten des Kommerz
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„Alle Musik ist irgendwie Theater”
Antonio Pappano über neurotische Italiener, das Leiden und Hassen am Theater und die Wahrhaftigkeit der Musik
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Vorsicht: Hochspannung!
Antonio Pappano entfacht am Pult seines glänzenden Orchesters ein fulminantes Theaterfeuer voller leidenschaftlicher Ritardandi und praller Farben.
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„Verdis Requiem ist die Vergeistigung einer Oper“
Der Dirigent Philippe Jordan über sein Eindringen in Wagners Gehirn, einen mediterranen Wagner-Klang und die Verwandtschaft der Titanen Verdi und Wagner
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Wands Werk-Erkenntnisse
Zu Günter Wands Konzerten in der in der stets bis zum letzten Hörplatz ausverkauften Hamburger Musikhalle ist man gepilgert. Die legendäre „Ära Wand“ der 80er und 90er Jahre war voller Sternstunden der Bruckner-, Brahms- und Beethovendeutung, Aufführungen mithin, denen in ihrer Verbindung aus klarem Geist und dichtem Gefühl eine zeitlose…
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Fiebrig flackernd
Die berückende Schönheit wie die krasse Modernität dieser grandiosen Opernpartitur bringt Marc Albrecht mit seinem Netherlands Philharmonic Orchestra in überlegener kapellmeisterlicher Übersicht zum Blühen und Glühen. Das Fiebrige, Flackernde und Freudianische dieser nervösen Musik geht in der Live-Aufnahme aus Amsterdam direkt unter die Haut. So wie die Rollenidentifikation der Elektra…
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Furtwänglers Geist
Daniel Barenboims Inspiration durch Wilhelm Furtwängler ist bis heute ungebrochen. Man merkt das eigentlich an jeder Phrase: Sein Musizieren voller Geist und Gefühl, voller Spontaneität und Entgrenzung, voller ehrlicher Wirkungsmacht in den überwältigenden Steigerungszügen Anton Bruckners. Dessen Vierte, die Romantische, liegt nun als DVD eines Konzertmitschnitts aus der Berliner Philharmonie…
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Magische Melange
Allein das traditionstrunkene Selbstverständnis der Wiener Philharmoniker ist ein Ereignis: Der wuchtig runde Brahms-Klang, der samtige Streicherapparat, die süffige Tiefenstaffelung, das Schwelgen in Schönheit. Und dann gesellt sich Renaud Capuçon dazu, ein zupackender Virtuose, ein Romantiker auch er, dessen Ton delikate Süße besitzt, der herrlich strömende, spannungspralle Phrasen ausgestaltet, dessen…
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Objektivierte Schönheit
Dies ist vollkommene Musik, gespielt von einer Geigerin, die nicht nur die traumwandlerische Technik und den analytischen Scharfsinn für Bach besitzt, sondern auch das Gespür, den Feinsinn und die Demut, um „dem Unerreichbaren durch unermüdliches Tieferdringen einen Schritt näherzukommen“, wie Isabelle Faust schreibt. Viel näher kann man Bach indes kaum kommen.…
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„Lebe im Hier und Jetzt!“
Joyce DiDonato reflektiert über die Kraft der Musik, ihre künstlerische Mission und den Mut, trotz globaler Krisen weiterzumachen.
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